Leopoldina warnt: EU-Pestizid-Vorschläge gefährden Gesundheit

Halle (dpa) – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat scharfe Kritik an den von der Europäischen Kommission geplanten Lockerungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geäußert. Die Akademie befürchtet, dass die Neuregelung die Gesundheit von Mensch und Umwelt gefährdet und widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen.
In einer Stellungnahme, die am Dienstag veröffentlicht wurde, argumentiert die Leopoldina, dass die vorgeschlagenen Änderungen die Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln erheblich reduzieren würden. Dies könnte dazu führen, dass Substanzen zugelassen werden, die nachweislich schädliche Auswirkungen haben.
Konkret bemängelt die Leopoldina, dass die neuen Vorschläge eine vereinfachte Bewertung von Risiken ermöglichen, die durch die Exposition von Nicht-Berufsanwendern entstehen. Dies betrifft insbesondere Kinder und andere besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Die Akademie fordert, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stets der Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt höchste Priorität haben muss.
Die EU-Kommission hatte die Lockerungen vorgeschlagen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft zu stärken und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu erleichtern. Kritiker argumentieren jedoch, dass dies auf Kosten der Gesundheit und der Umwelt gehen würde. Die Leopoldina schließt sich dieser Kritik an und ruft die EU-Politiker dazu auf, die Pläne überzuprüfen und wissenschaftliche Erkenntnisse in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Die Leopoldina ist eine renommierte wissenschaftliche Gesellschaft mit Sitz in Halle (Saale). Sie berät die Politik in wissenschaftlichen Fragen und setzt sich für die Förderung der Forschung und Bildung ein. Ihre Stellungnahme zu den EU-Pestizid-Vorschlägen unterstreicht die Bedeutung einer evidenzbasierten Politikgestaltung im Bereich der Umwelt und Gesundheit.
